Spuren im Schnee

Ein Reiseblog von Jana & Peter.

So nah und doch so fern

Nordkap wir kommen: Nachdem wir die finnisch-norwegische Grenze überquerten, wurde die Landschaft auch wieder abwechslungsreicher: mehr Berge, viel kurviger und vor allem waren endlich wieder Fjorde zu sehen – auch wenn die mit einer geschlossenen Eisschicht bedeckt waren.

Außerdem – interessant und spannend: In der Finnmark findet gerade eine 9-tägige Militärübung statt. 8.000 Soldaten aus Norwegen, England und den USA tragen Übungsgefechte aus. Nicht nur am Straßenrand standen die Panzer, sondern sie fuhren auch auf den Straßen, was das Überholen schwieriger gestaltete. Aber nicht nur Militärfahrzeuge, auch Schneepflüge waren häufiger auf den gut 400 Kilometer vermehrt zu sehen.

Je näher wir ans Meer kamen, desto mehr Schneeverwehungen gab es auf den Straßen. Wir kamen also nicht so gut voran, wie eigentlich gedacht. Außerdem gab es noch viele tolle Möglichkeiten zum Fotografien am Straßenrand…

Und dann: noch 40 Kilometer bis nach Honningsvåg und die Straße wurde gesperrt. Die Sicht war echt miserabel und wir konnten uns nur noch anhand der roten Stäbe am Straßenrand orientieren – und da teilweise auch nur vom einen zum nächsten. Wie weit stehen die auseinander? 20 Meter? Der Schnee stürmte von links nach rechts, von vorne nach hinten. Aber gut: Kolonnekjøring! Dass wir in einer Kolonne fahren werden, war uns natürlich bewusst. Die Straße von Honningsvåg zum Nordkap darf im Winter sowieso nur in Kolonne befahren werden. Daher war unser Gedanke: „Okay, können wir mal üben…“

Es war 15.30 Uhr, die Kolonne in Richtung Honningsvåg sollte um 16.30 Uhr starten. Eine Stunde Zeit, die man mit einem guten Buch auf jedem Fall verbringen kann. Aus einer Stunde wurden dann zwei. Irgendwann kam ein Räumfahrzeug, die Schranke öffnete sich, wir starteten das Auto und … die Schranke schloss sich wieder! Kein Durchkommen! Erst hieß es, dass die Autos von der anderen Seite geholt werden müssen; dann, dass sich ein Räumfahrzeug festgefahren hat; und so weiter. Es vergingen drei Stunden, dann vier und fünf. Zweimal kam ein Räumfahrzeug in die andere Richtung und fragte uns, ob wir nicht wieder mit in Richtung Süden fahren wollten, aber das Hotel war gebucht und wir wollten schließlich zum Nordkap! Nach fast acht Stunden (kurz nach 23 Uhr) kamen dann ein Schneepflug und ein kleiner Transporter. Uns wurde gesagt, dass wir mit unseren Autos nicht nach Honningsvåg fahren könnten. Es gäbe auch keine Chance wieder in Richtung Süden zu fahren, da wohl mehrere Lawinen abgegangen seien. Also: Übernachten im Auto und hoffen, dass die Straßen am nächsten Tag geräumt werden oder alles Wichtige packen, das Auto stehen lassen und uns nach Honningsvåg fahren lassen. Der Grund warum wir acht Stunden auf die „Rettung“ warten mussten, war auch eine Lawine. Der Schneepflug und die Fräse haben die ganze Zeit gebraucht, um die Straße halbwegs frei zu bekommen.

Aber hey: Wir durften im Schneepflug mitfahren! Meterhoher Schnee, das Fahrzeug kämpft sich durch und wir mittendrin! Was für ein unbeschreibliches Gefühl. Nach gut einer Stunde hat es der Schneepflug nach Honningsvåg geschafft – für ca. 40 Kilometer. Also waren wir gegen 1 Uhr in der Unterkunft.  Dann hieß es Daumen drücken, mit der Hoffnung, dass wir am nächsten Tag wieder zu unserem Auto kommen würde.

Der nächste Morgen kam – die Straßen sowohl in den Süden (runter von der Insel) als auch in Richtung Norden (zum Nordkap) waren jedoch immer noch gesperrt. Nicht mal das Fahren in der Kolonne war möglich. Also hieß es warten, warten und warten – und lesen und Honningsvåg erkunden. Immerhin war der Himmel aufgezogen. Dumm nur, dass die meisten der Läden geschlossen waren. Im Corner Spiseri gab es jedoch gutes Essen. Hier wird fangfrischer Fisch verarbeitet – direkt vom Kutter in den Topf.

Am Abend waren die Straßen immer noch geschlossen, unser Auto immer noch gut 40 Kilometer entfernt und wir wussten immer noch nicht, wie es am nächsten Tag weitergehen sollte. Honningsvåg war noch immer von der „Außenwelt“ abgeschnitten. Mit einem Dach über dem Kopf lässt es sich aber aushalten.

Tag 2 in Honningsvåg und endlich kam der langersehnte Anruf von Jonas (er hat zwei Tage zuvor eine der Fahrten nach Honningsvåg übernommen), der zwar an dem Tag nicht arbeitete, uns jedoch trotzdem zu unseren Autos fuhr! Tusen takk!

Jonas erzählte uns über die Winter in Honningsvå. Der Winter ist aus seiner Sicht die schönste Zeit des Jahres. Das einzige Problem ist, dass in diesem Jahr der Schnee immer wieder angetaut ist, so dass bis kurz vor März zwar nicht viel Schnee lag, sich aber durch das Antauen und Gefrieren Eisschichten bilden konnten. Nun fiel im März richtig viel Schnee, dadurch kam es vermehrt zu Lawinen. Und: kurz nachdem wir mit dem Schneepflug (zwei Tage zuvor) die Straße in Richtung Honningsvåg passiert haben, ging kurz nach uns auch eine Lawine ab!

Als wir dann endlich am Auto angekommen sind, mussten wir schnell unsere Sachen verstauen, damit wir es zur Weiterfahrt der Kolonne schafften. Und dann ging es los: 22 Fahrzeuge (eigentlich nichts, in die Rückrichtung waren es über 80) fuhren in Kolonne in Richtung Alta.

An dem Tag war die Straße zum Nordkap übrigens noch immer gesperrt, deswegen sollte unser nächstes Ziel Hammerfest sein.

Liebes Nordkap, wir werden wieder in den Norden kommen. Dann versuchen wir nochmal unser Glück.

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1 Kommentar

  1. Magda 18. März 2017

    Oh Mann!!! Was für Abenteuer ihr erlebt! Krasse Kiste 🙂

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